Weltreise mit Baby

Tokio, Bangkok, Karlsfeld

geschrieben am: 03.August 2017

Die kleine Terrasse mit den roten, länglichen Terrakotta Fliesen liegt im Schatten der darüber wachsenden, leuchtend grünen Weinranken. Nebenan im Apfelbaum hüpft eine kleine Kohlmeise eifrig durch die knorrigen Äste und trällert vor sich hin. Ich sitze mit meinem Laptop auf einem leicht in die Jahre gekommenen, blauen Ikea Klappstuhl, während Sina und der Knirps drinnen einen kleinen Mittagsschlaf machen. Karlsfeld, Deutschland. Friedlich ist es hier, regelrecht idyllisch.

Konsumtempel Tokio

Noch vor einer Woche war es das totale Gegenteil. Tokio. Ich habe schon viele große Städte gesehen aber diese Stadt schlägt alles. So unglaublich viele Menschen auf einem Haufen, so viele verschiedene Eindrücke, die unvermeidbar in einer solchen Dichte auf Dich einprasseln, dass einem davon schwindelig werden kann. Alles ist so eng zusammen. Du sitzt in einer führerlosen Schwebebahn, unter Dir eine mehrstöckige, vielspurige Straße mit dichtem Verkehr. Nur ein paar Meter daneben rauscht der japanische Schnellzug Shinkansen mit weit über 200 Kilometern pro Stunde auf den Hauptbahnhof zu, während ich zehn Meter neben unserem Schwebebahnwagon in ein Wohnzimmer eines Hochhauses hineinschauen kann. Da sitzt ein kleines Mädchen gerade am Tisch und macht in aller Ruhe seine Hausaufgaben.

Shibuya Crossing - die belebteste Kreuzung der Welt. Zu Höchszeiten wechseln hier 2.500 Mensch prp Ampelphase die Straßenseite.

Shibuya Crossing – die belebteste Kreuzung der Welt. Zu Höchszeiten wechseln hier 2.500 Mensch prp Ampelphase die Straßenseite.

Gefühlt ist in dieser Stadt alles auf Konsum ausgelegt. An jeder Bahnhaltestelle ragt eine Einkaufsmall mit zig Geschäften in die Höhe. Jede noch so ausgefallene Sammelleidenscharf und auch der außergewöhnlichste Bedarf findet hier seine Nische. Wir kratzen da nur an der Oberfläche. Der Knirps ist begeistert von einem siebenstöckigen Kaufhaus, welches nur mit Spielzeug vollgestopft ist. Nebenan gibt es etagenweise alte Actionfiguren aus Kunststoff, die Sammlerherzen höher schlagen lassen. Die meisten Charaktere sind uns total unbekannt – um so erstaunlicher ist es für uns, welche Preise aufgerufen werden. Unter einhundert Euro gibt es hier quasi nichts, nach oben ist fast keine Grenze gesetzt.

Plastikfiguren zu Höchstpreisen (500.000 Yen entsprechen gut 3.800€...)

Plastikfiguren zu Höchstpreisen (500.000 Yen entsprechen gut 3.800€…)

Ein paar Meter weiter geht es mit dem Fahrstuhl in den fünften Stock eines Hauses. Oben angekommen betreten wir einen verqualmten Raum. Überall sitzen Leute vor alten Spielekonsolen und schauen auf Röhrenbildschirme, die wiederum die Spiele aus groben Pixelstrukturen darstellen. Man fühlt sich mit einem Schlag 20 Jahre zurück versetzt. In der Mitte reihen sich Regale mit Original Spielen für Sega Mega Drive, Super Nintendo, Gameboy oder dem Virtual Boy. So etwas findet man nur in Tokio…

Um einen etwas ruhigeren Platz zu finden muss man sich etwas aus dem Zentrum heraus bewegen. Am Odaiba Seaside Park kann der Knirps im Sand spielen und hat allerlei Kletter- und Entdeckungsmöglichkeiten. Als die Sonne hinter dem Horizont versinkt schalten die kleine Schiffe in der Bucht ihre Beleuchtung ein. Zusammen mit der Skyline im Hintergrund und der Rainbow Bridge, welche die kleine Landzunge mit der City verbindet, ergibt sich ein grandioses Panorama.

Tolle Abendstimmung an der Odaiba Seaside

Tolle Abendstimmung an der Odaiba Seaside

Zwischenstopp in Bangkok

Drei Tage später heißt es dann endgültig Abschied nehmen von Japan. Auf dem Weg nach Deutschland machen wir noch einen kurzen, zweitätigen Zwischenstopp in Bangkok. Die Preise für Direktflüge von Tokio in die Bundesrepublik sind tatsächlich mehr als doppelt so teuer wie die Bangkok-Variante.
Die Zeit in Thailands Hauptstadt verbringen wir dank echt anstrengender Temperaturen knapp unterhalb der vierzig Grad hauptsächlich drinnen. Der Knirps freut sich über einen Besuch im Sealife. Fast zwei Stunden lang rennt er mit großen Augen von Aquarium zu Aquarium und kann gar nicht genug bekommen von Fischen, Haien, Schildkröten oder Pinguinen.

Sealife Bangkok

Sealife Bangkok

Schneller als wir gucken können, sitzen wir dann auch schon wieder im Flieger. Der Sohn verschläft den elfstündigen Flug fast komplett – ein Vorteil von Nachtflügen. Und somit hören wir dann pünktlich morgens um sieben Uhr die Durchsage „Welcome to Munich“. Deutschland. Zu Hause. Nach einem Jahr unterwegs. Abgefahren. Begrüßt werden wir von einer dicken Wolkendecke und Temperaturen, die uns erst mal nach Pullovern kramen lassen. War es das jetzt??!?

Ein kurzes Fazit von einer langen Reise

Weltreise mit Baby – wir würden es sofort wieder machen. Obwohl Reisen mit Baby komplett anders ist als das Reisen früher. Man hat so viel weniger Zeit für sich selber. So ein Knirps braucht halt jede Menge Aufmerksamkeit und da macht es keinen Unterschied ob man zu Hause ist oder unterwegs. Dadurch dauert alles viel, viel länger. Man kann nicht mal eben sagen „Du machst den Abwasch und ich baue das Zelt ab.“ Nein, statt dessen baut einer das Zelt, während der andere den Knirps bespaßt. Erst danach geht es zum Spülen (mit gleicher Prozedur). Weiterhin legt man nicht mehr so große Distanzen am Stück zurück wie früher. Mehr als zwei Stunden Bus fahren werden mit einem bewegungsbedürftigen kleinen Jungen schon sehr anstrengend. Gleiches gilt natürlich auch fürs Auto oder für den Zug. Relaxt am Strand liegen klappt auch nicht mehr so gut, wenn eine kleine Dampfwalze neben Dir permanent durch den Sand pflügt und sich alles in den Mund steckt, was gerade in seine Hände gelangt.

Trotzdem war es für uns eine wunderbare Erfahrung. Das Reisen mit Baby öffnet einem nämlich auch Türen, die wir sonst niemals betreten hätten. Wir haben viele tolle Menschen kennen gelernt, Orte aus der Not heraus gefunden, die sich als kleine Paradiese entpuppte haben. Ich bin überzeugt, dass wir dank des Knirpses tiefer in die Kultur und das Leben der Menschen in den jeweiligen Ländern eingetaucht sind als wir sonst die Chance gehabt hätten.

Back in Germany...

Back in Germany…

Was kommt nun? So genau wissen wir das selber noch nicht. Bis Mitte August tingeln wir noch durch Bayern und Berlin, bevor es dann wieder Richtung Rheinland geht. Dann stellt sich für uns die große Frage, in welcher Stadt wir für die nächsten Monate (Jahre?) unser Lager aufschlagen werden. Sina fängt bald wieder an zu arbeiten – zumindest schon mal für ein paar Stunden in der Woche. Bei mir ist auch eine Idee gereift, die ich in den nächsten Monaten umsetzen werde. Dazu aber mehr an anderer Stelle :-)

Wie ihr seht, die Reise geht weiter – nur unter etwas anderen Rahmenbedingungen. Ich glaube es ist einfach wichtig, sich die Freiheit im Kopf zu bewahren. Öfter mal einen Schritt zurück zu treten und zu schauen, ob das, was man gerade tut in seinem Leben auch das ist, was man wirklich machen möchte. Wenn man sich selber über seine Wünsche und Ziele im Klaren ist, findet sich irgendwie ein Weg dorthin. Manchmal keine direkte, geteerte Autobahn sondern eher ein Trampelpfad mit vielen Kurven (wie theatralisch!). Trotzdem lohnt es sich garantiert den kleinen Pfad zu gehen, da man ansonsten immer denkt „hätte ich mal…“

Vielen Lieben Dank an euch alle fürs gelegentliche dabei sein, für viele Kommentare, emails, Nachrichten. Wenn es etwas gibt, dass man auf so einer Reise vermisst, dann ist der persönliche Kontakt zu Freunden, Familie und Bekannten. Von daher habt ihr alle mit zu einem gelungen Jahr unterwegs beigetragen! Wenn ihr mögt, bleibt im Verteiler des Newsletters – von Zeit zu Zeit überkommt es mich vielleicht noch mal, etwas zu schreiben. Ansonsten werden wir die meisten von euch ja hoffentlich bald mal wieder persönlich treffen. Wir freuen uns auf euch!!

Hier noch mal einige Eindrücke des Jahres…

Lagerfeuer am Strand in Kanada

Lagerfeuer am Strand in Kanada

Warten auf den Zug in Bangkok

Warten auf den Zug in Bangkok

Endlich selber sitzen in Ko Phag-Nan

Endlich selber sitzen in Ko Phag-Nan

Kleines Boxtraining

Kleines Boxtraining

Wohnen im Bulli in Neuseeland

Wohnen im Bulli in Neuseeland

Frohe Weihnachten!

Frohe Weihnachten!

Tongariro Alpin Crossing

Tongariro Alpin Crossing

Goldene Strände im Abel Tasman National Park

Goldene Strände im Abel Tasman National Park

Bondi Beach in Sydney

Bondi Beach in Sydney

Obststand in Taipeh

Obststand in Taipeh

Reisfeld in Taiwan

Reisfeld in Taiwan

Gaomei Wetlands, Taiwan

Gaomei Wetlands, Taiwan

Sightseeing in Japan

Sightseeing in Japan

Abschieds-Sushi in Tokio

Abschieds-Sushi in Tokio

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4 Kommentare

  1. Dani sagt:

    Ihr seid zurück! Oh, ich hoffe wir sehen uns ganz bald! Wir haben viel an euch gedacht und freuen uns auf euch! Und auf euren Besuch in meinem neuen Zuhause im Bergischen?!

  2. Susi sagt:

    Und schwups ist das Abenteuer rum…dafür beginnt wieder ein neues. Und dafür wünsche ich euch alles Liebe! Lasst es euch gut gehen und erhaltet euch die Gelassenheit des Reisens!!!! Fühlt euch gedrückt.
    Wenn mal wieder das Fernweh plagt, ihr seit herzlichst willkommen😘😜😎

  3. Meike sagt:

    Wow Wahnsinn… willkommrn zurück und lieben Dank für all die tollen Blogeinträge… weise Worte und das immer wieder kehrende Fernweh – ich arbeite dran… bin gespannt wies bei euch weitergeht … gute Eingewöhnungszeit in Deutschland und tollen Sommer!

    1. Christian sagt:

      Hi Meike, vielen Dank! Wir sind auch mal gespannt wie es weiter geht :-) Momentan genießen wir noch solche luxuriösen Dinge wie ein saftiges Sauerteigbrot…

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