Weltreise mit Baby

Roberts Creek time

Kanadas Sunshine Coast – Mit dem Baby im Hostel

geschrieben am: 30.Juli 2016

Der dicke Gasgrill mit seinen drei Brennern läuft auf Hochtouren. Während die Grillware auf den bunt bestückten Holzspießen ganz langsam eine leckere Bräune annimmt sitze ich in einer Hängematte, die auf der großzügigen Holzveranda zwischen zwei Pfeiler gespannt ist. Die Sonne steht bereits so tief, dass nur noch die Spitzen der hohen Kiefern auf der anderen Straßenseite das goldgelbe Licht zurückwerfen. Im Hintergrund tragen die Kings of Convenience zur chilligen Stimmung bei während mit tiefem, bulligen Sound ein Pickup mit seinen acht Zylindern vorbei blubbert.

Ganz ohne Stress

Roberts Creek nennt sich das kleine Örtchen, welches uns nun schon seit knapp zwei Wochen beherbergt. Nachdem die airbnb Unterkunft in Vancouver unser Budget ein wenig mehr beansprucht hatte, wohnen wir hier nun deutlich günstiger im Hostel.

Vancouver scheint – obwohl nur ca 30 Kilometer Luftlinie von uns entfernt – eine komplett andere Welt zu sein. Sofort nach Verlassen der Fähre kam ich mir wie in einer dieser alten amerikanischen Fernsehserien vor. Jeder kennt jeden, jeder grüßt jeden, jeder weiß was über jeden. Und das alles vor allem ohne Stress. In der ganzen Zeit hier haben wir nicht eine Person gesehen, die auch nur einen Anflug von Eile erscheinen ließ.

Ein schönes Beispiel ist da der Typ im „Ambrosia“, dem Organic Shop in Roberts Creek. Der Ort ist ein wenig als Hippie-Dorf verschrien und da darf natürlich auch ein Bioladen nicht fehlen. Wir betreten also das kleine Geschäft, aus dem schon von weitem entspannte Musik zu hören ist. Drinnen erst bemerken wir, dass der Verkäufer mit einer Ukulele an der Kasse sitzt und fleißig übt. Er lässt sich auch von uns erst mal nicht weiter aus der Ruhe bringen. Wir sammeln die benötigten Lebensmittel aus den Regalen und gehen zur Kasse. Der Typ weist uns noch darauf hin, dass wir ja mittelgroße Eier genommen hätten, obwohl die großen Eier nur unwesentlich teurer wären. Wollen wir die nicht tauschen? Wollen wir. Schnell bezahlt und dann schnappt sich der Verkäufer auch wieder seine Ukulele und spielt weiter.

Der Bioladen "Ambrosia" mit dem Ukulele spielenden Verkäufer

Der Bioladen „Ambrosia“ mit dem Ukulele spielenden Verkäufer

Mit Baby im Hostel

Wir genießen die Zeit im Hostel. Hier gibt es deutlich mehr Bewegungsfreiheit als in unserem kleinen airbnb Apartment, das wir in Vancouver hatten. Der Knirps findet es hier ebenfalls klasse. Er wird hier natürlich von jedem entertaint, der ihm über den Weg läuft. Auch die wechselnden Nachtlager machen ihm nichts aus. Wir haben natürlich darauf geachtet, dass wir immer ein eigenes Zimmer hatten – allein schon aus Rücksicht den anderen Gästen gegenüber! Zu Beginn haben wir in einem Familienzimmer geschlafen und sind dann für drei Nächte in ein Zelt umgezogen.

Das Zelt hatten wir natürlich nicht selber mitgebracht, genau so wenig wie Schlafsack und Isomatte.  Das Hostel bietet quasi als „Überlauflösung“ voll ausgestattete Zelte mit jeweils frisch gewaschenen Schlafsackinlays an. Das schönste Schlafzimmer hatten wir dann allerdings in der letzten Woche, die „Cabin“. Ein wenig abseits vom Haupthaus mit Blick in den großen Garten steht eine 7m² große Holzhütte. Sie ist gerade so groß, dass genau ein Bett und zwei Nachttischschränkchen hinein passen. Noch ein kleiner Eckschrank für die Klamotten und dann war es das auch schon. Dafür aber mit Fenstern nach drei Seiten und einem  großen Oberlicht. Saugemütlich.

Die "Cabin" - eng aber gemütlich!

Die „Cabin“ – eng aber gemütlich!

Der langsame Sonntag

Jeden Sonntagmittag findet im Ortskern, also da wo die Bücherei, der General Store, das Restaurant, dem Bioladen und die Post sind, der sogenannte „Slow Sunday“ statt. Zwei, drei Pavillions, wo lokale Produkte verkauft werden und eine kleine Bühne, auf der immer wechselnde Musiker spielen. Als wir ankommen, ist auf der Bühne gerade Pause. Dafür haben sich ein paar Ältere aus dem Dorf zusammengetan und singen von der Gitarre begleitet spontan ein paar Evergreens. Kinder springen umher, überall stehen Leute und unterhalten sich. Nach einer Weile gibt es dann auch wieder Musik von der kleinen Bühne – chilliger Gesang begleitet von Bass und Gitarre, Slow Sunday eben. Der Kniprs liegt auf der Wiese und hört interessiert zu. Eine tolle, entspannte Atmosphäre. Bringt mich wieder zurück zu der alten amerikanischen Fernsehserie…

Slow Sunday in Roberts Creek

Slow Sunday in Roberts Creek

Begrenzte Mobilität

Das Leben ohne Auto ist hier schon schwieriger als noch in Vancouver. Es gibt zwar Busverbindungen an der Sunshine Coast aber die Busse fahren hier natürlich nicht so regelmäßig wie in der Stadt und auch nur in etwas größere Orte. Weiter im Norden gibt es noch traumhafte Strände und tolle Wanderrouten in den Wäldern. Die bleiben für uns leider unerreichbar, da hier kein Bus hinfährt. Das Fahrrad ist auch noch keine Option, obwohl das Hostel umsonst welche verleiht. Da der Knirps aber noch nicht selber sitzen kann und es keinen Anhänger gibt, fällt auch diese Option flach. Wir  haben beschlossen, dass wir in den nächsten Reiseländern – die wahrscheinlich USA und Neuseeland heißen werden – auf jeden Fall einen fahrbaren Untersatz brauchen. Mal schauen wie wir das machen.

Allerdings gibt es auch Geschichten, die wir nicht erlebt hätten, wenn wir mit dem Auto unterwegs wären. Auf dem Rückweg von einem größeren Supermarkt im nächsten Ort staut sich auf einmal der Verkehr. Generell nicht schlimm, da die Aussicht auf das 20 Meter neben uns verlaufende Meer nicht  gerade die schlechteste ist. Allerdings hat sich wohl ein Unfall ereignet. Wir fahren langsam an der Stelle vorbei und sehen, dass jemand – bereits erstversorgt – am Rand auf dem Bürgersteig sitzt. Unser Busfahrer fährt noch ein paar Meter weiter, parkt das große Gefährt dann am Straßenrand und stellt den Motor ab. Er ruft den Fahrgästen in den ersten Reihen zu, er sei Feuerwehrmann und wolle mal eben nachschauen ob auch alles in Ordnung ist. Damit verlässt er den Bus. Nach etwa 10 Minuten kommt er zurück, erzählt, es wäre alles in Ordnung und setzt seine Fahrt fort. Auch wieder eine der Situationen, die ich mir in Deutschland einfach nicht vorstellen könnte. Hut gezogen.

Noch ein paar Eindrücke der letzten Tage…

Unser Hostel "Up the Creek" in Roberts Creek

Unser Hostel „Up the Creek“ in Roberts Creek

Der Pickup gehört hier mit zur Familie

Der Pickup gehört hier mit zur Familie

Jeden Abend aufs neue unschlagbar...

Jeden Abend aufs neue unschlagbar…

Die Bücherei mitten im "Ortskern" von Roberts Creek

Die Bücherei mitten im „Ortskern“ von Roberts Creek

Tolle Aussicht auf die südliche Sunshine Coast vom Soames Hill

Tolle Aussicht auf die südliche Sunshine Coast vom Soames Hill

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5 Kommentare

  1. Katharina sagt:

    Wenn ich das lese, fühl ich mich als würde ich selbst Urlaub machen. So schön!!! Kling wie ein Mix aus urig, idyllisch und (in Vancouver) modern, harmonisch.
    Wünsche euch weiterhin so tolle Ziele!

    1. Christian sagt:

      Hej vielen Dank! Das trifft es echt ziemlich gut… Mal schauen wie es weiter geht – ab morgen wird auf der Farm gearbeitet! Vorbei ist das Lotterleben…

  2. Sybille sagt:

    Ein Träumchen! Das hört sich toll an und sieht grandios aus..
    Und die Idee vom slow sunday ist super! Ich schließe mich an: ein „like“!! :-))) Viel Spaß weiterhin!

    1. Christian sagt:

      Der slow sunday ist echt super – würde auch gut auf den Schillplatz passen :-)

  3. Susann sagt:

    Wie die zeit vergeht…schon fast ein monat auf tour!

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