Weltreise mit Baby

Welcome to Salmon Arm – Wwoofing mit Baby Teil 2

geschrieben am: 29.August 2016

Wir fahren eine staubige Landstraße entlang, draußen sind es so um die 33° Celsius. Ich sitze auf dem Beifahrersitz eines 29 Jahre alten, schwarz-roten Dodge Pickup und fühle mich ein bisschen wie ein echter Kanadier. Sid sitzt auf dem Fahrersitz und prügelt den alten V8 Motor durch seine 4 Gänge. Immer wieder hakt ein Gang, den er dann zuerst mit Fingerspitzengefühl versucht zu überreden und schließlich mit purer Kraft die Zahnräder des Getriebes ineinander zwingt, dass es nur so scheppert. Wir fahren durch Felder über denen ein strahlend blauer Himmel den Blick auf die Berge freigibt. Unsere Fahrt dagegen endet an einem etwas weniger romantischen Ort: Der Müllkippe von Salmon Arm. Geladen haben wir nämlich jede Menge Grünabfälle, die bei unserem derzeitigen Wwoofing Job entstanden sind.

Wwoofing – diesmal nicht auf einer Farm

„Salmon Arm has a bus stop – Schaut doch mal vorbei.  Gruß, G.“.  So der übersichtliche Inhalt der Email, die uns unser derzeitiger Host Golita vor einigen Wochen geschickt hat. Sie ist 81 Jahre alt, ursprünglich Berlinerin und wohnt schon seit über 60 Jahren in Kanada. Seit einigen Jahren lebt sie mit ihrem koreanischen Freund Nuri hier in Salmon Arm zusammen und freut sich, mal wieder etwas mehr deutsch sprechen zu können. Auch der Knirps wird verwöhnt. Sie hatte bereits vor unserer Ankunft einen gebrauchten Hochstuhl gekauft da sie besorgt war, wie er denn sonst mit uns essen könne.

Gemüseanbau nach dem Mondkalender

Vor 30 Jahren hatte Golita mit ihrem damaligen Ehemann begonnen, Gemüse auf biodynamische Art und Weise für den Eigenbedarf anzubauen. Dafür richteten sie sich nach dem alljährlich erscheinenden Mondkalender. Dieser gibt genau vor, an welchen Tagen es besonders günstig ist, bestimmte Sorten zu pflanzen, zu düngen oder auch zu ernten. Seit ihr Mann, der den Großteil der Gartenarbeit erledigt hatte, allerdings vor einigen Jahren plötzlich verstarb, ist vieles liegen geblieben. Genau diese Lücke soll jetzt das Wwoofing Konzept wieder schließen, da Nuri und sie selber nicht mehr die komplette Gartenarbeit übernehmen können. Eine sehr dankbare Aufgabe, denn egal ob es um den eher dekorativen vorderen Teil des Gartens, die Gemüsebeete oder um das automatische Bewässerungssystem geht – überall ist jede Menge zu tun. Dadurch, dass viele Stellen in letzter Zeit ein wenig vernachlässigt worden waren, stellt sich auch schnell ein Erfolgserlebnis ein wenn man abends sein „Tagwerk“ betrachtet. Mal wieder ein definitiv besseres Gefühl als 120 bearbeitete Emails….

Jede Menge zu tun...

Jede Menge zu tun…

Viel Diskussionsstoff

Golita und Nuri sind beide in verschiedenen Bürgergruppen aktiv. So wehren sie sich gegen die Installation eines sogenannten „Smart Meters“. Das sind die neuen Stromzähler, die per Funk ausgelesen werden können. Dafür steht unübersehbar ein großes Protestschild im Vorgarten. Beide sind weiterhin der Ansicht, dass der Mobilfunk keine gute Idee ist und die Mobilfunkmasten auf jeden Fall Krankheiten oder schlimmeres hervorrufen. Auf beiden Autos findet sich daher ein Aufkleber mit der Aufschrift „Cell Towers Kill!!!“. Verständlicherweise führt dies gerade mit unserer Generation, die ja nun mit der mobilen Kommunikation aufgewachsen ist, zu Diskussionen.

Letztendlich hatte jeder seine Standpunkte und es zeigt sich wieder einmal, dass es oft auf Blickwinkel und Prioritäten ankommt. Wer sein Leben lang kein Handy hatte, wird auch jetzt mit über 80 Jahren wahrscheinlich kein Virtual Reality Pokemon Junkie mehr werden und dafür auf Handy und mobile Daten angewiesen sein. Interessant fand ich allerdings doch, dass im Wohnzimmer bereits seit mehreren Jahren ein Router mit aktivem Wlan steht und dies beiden nicht bewusst war.

Klare Botschaft

Klare Botschaft

Recycling auf kanadisch

Wenn man eine Zeit lang in einem privaten kanadischen Haushalt verbringt, dann bemerkt man einige Kleinigkeiten die anders sind als in Deutschland. Das Pfandsystem von Flaschen und Dosen zum Beispiel. Anfangs ist es noch gleich: Das Leergut stapelt sich auch hier in irgendeiner Ecke bis es nicht mehr geht. Allerdings bringt man es dann nicht ins Geschäft zurück sondern fährt zur lokalen Recyclingstation. Dort wird dann viel mehr zurück genommen, als es in Deutschland üblich ist. Für Getränkedosen und PET Flaschen gibt es ebenso einen Obolus zwischen 5 und 20 Cent wie für Wein- und Wodkaflaschen, Tomatendosen oder Tetrapaks. Das ganze System scheint sich allerdings noch nicht wirklich durchgesetzt zu haben. Nuri erzählt mir auf dem Heimweg, dass er gerade zum ersten Mal hier war und überrascht sei, wofür es alles Geld zurück gibt.

Leergutrückgabe auf kanadisch

Leergutrückgabe auf kanadisch

Mittwochs gibts Musik am Kai

Sommerliche Musikabende oder -nachmittage scheint es in Kanada öfter zu geben. In Roberts Creek hatten wir ja schon den Slow Sunday kennengelernt. Hier in Salmon Arm gibt es in der warmen Jahreszeit jeden Mittwochabend Musik auf einer Wiese am Kai. Das gut besuchte Event wird jedes Mal von unterschiedlichen lokalen Cafes, Restaurants oder Firmen gesponsert. Zusätzlich geht in der Pause noch ein Hut rum, um Spenden für die Band zu sammeln. Absoluter Verkaufsschlager müssen die Klappstühle sein, mit denen 97 Prozent aller Besucher hier aufkreuzen. Diese haben zusätzlich noch zwei Gurte, so dass man sie wie einen Rucksack aufschnallen kann. Ob dies wirklich nötig ist für die 30 Meter zwischen Parkplatz und Wiese sei dahin gestellt. Zu Fuß kommt hier nämlich niemand hin, obwohl es mitten in Salmon Arm ist. Wir fühlen uns immer wieder wie Aliens, wenn wir mit dem Knirps im Tragesystem hier in Kanada per pedes unterwegs sind.

Jeden Mittwoch geht es mit dem Klappstuhl zur Wiese am Kai

Jeden Mittwoch geht es mit dem Klappstuhl (hier ausnahmsweise ohne Tragegurte…) zur Wiese am Kai

Nach vier Wochen Wwoofing sind wir nun froh, ab Montag unsere Tage mal wieder komplett selber gestalten zu können. Das Konzept allerdings ist wirklich gut. Durch das Erleben des „Alltages“ hier haben wir viele typisch kanadische Dinge kennen gelernt, die uns sonst wahrscheinlich verborgen geblieben wären.

Noch ein paar Eindrücke der letzten Tage…

Der 29 Jahre alte Dodge hat echt kanadischen Charakter

Der 29 Jahre alte Dodge hat echt kanadischen Charakter

Der romantischste Campingspot von Salmon Arm - unsere vorübergehende Heimat

Der romantischste Campingspot von Salmon Arm – unsere vorübergehende Heimat

Kleine Romantikbremse: Die Bahngleise 50m vom Haus entfernt. Jeder Zug hat mindestens 150 Wagons...

Kleine Romantikbremse: Die Bahngleise 50m vom Haus entfernt. Jeder Zug hat mindestens 150 Wagons…

Schöne Aussicht auf den Shuswap Lake

Schöne Aussicht auf den Shuswap Lake

Nein, ich will keine Kartoffel!

Nein, ich will keine Kartoffel!

 

 

 

 

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Ein Kommentar

  1. Katharina sagt:

    Was macht denn der Berliner Bär an der Hütte?? Herrlich!!!

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