Weltreise mit Baby

Von Plänen, Irrtümern, Glühwürmchen und lockeren Schrauben

geschrieben am: 19.Januar 2017

Die Uhr auf dem Handy zeigt 03:35 Uhr und es regnet wie aus Eimern. Dicke Tropfen prasseln auf das Autodach. Das leicht geöffnete Schiebefenster neben meinem Kopfkissen sorgt für eine Ladung erfrischendem Nass auf meinem Gesicht. Ausgerechnet jetzt macht sich natürlich meine volle Blase bemerkbar…

Dies sind Momente, in denen man sich ab und zu ein wenig mehr Luxus wünscht. So eine Toilette im Camper wäre was feines. Oder etwas mehr Freiraum für den Knirps zum Krabbeln. Der Kleine hat nämlich heute auch noch Geburtstag. Ein Jahr wird er alt und hat nun fast die Hälfte seines Lebens reisend verbracht.

Der erste Geburtstag vom Knirps

Der Morgen zeigt auch keine Besserung. Dicke grauen Wolken hängen über dem Campground in Oakura wo wir unser Lager aufgeschlagen haben. Normalerweise kann man von jedem Punkt in der Gegend den majestätisch aufragenden Mount Taranaki sehen. Ein über 2500m hohen Vulkan mit wundervoller Spitzkegelform. Heute allerdings gibt die graue Suppe um uns herum nicht mal den Blick zum nächsten Baum frei.

Eigentlich wollten wir zum Cape Egmont Lighthouse, ein Leuchtturm inmitten eines Alpenpanoramas. Dort hätte der Knrips dann nach Herzenslaune herumkrabbeln und sein erstes Stück Kuchen probieren können. So ist es halt mit den Plänen. Statt dessen skypen wir erst einmal mit den Großeltern, packen unsere Sachen zusammen und brechen nach New Plymouth auf. Dort finden wir immerhin eine Art Kaffee mit Kinderspielecke. Außerdem gibt es grandiose gefüllte Waffeln mit Eis. Ein guter Ersatz für den Geburtstagskuchen.

Das erste mal was Süßes - Geburtstagswaffeln in New Plymouth

Das erste mal was Süßes – Geburtstagswaffeln in New Plymouth

Wandern in Neuseeland

Die letzten Wochen haben uns aus dem Northland heraus, wieder durch Auckland, Richtung Süden getrieben. Wir wollen versuchen, bis Ende Januar auf die Südinsel überzusetzen, da es dort im Herbst (der in Neuseeland im März beginnt) schneller kalt wird als auf der Nordinsel. Trotzdem lassen wir es gemütlich angehen und nehmen uns viel Zeit, um die Gegend zu erkunden. Der Knirps genießt die Aussicht aus seinem Babycarrier, in dem er an meinen Bauch geschnallt ist oder unternimmt seine ersten eigenen Entdeckungstouren krabbelnderweise auf dem Campground.

Wer Neuseeland zu Fuß erkunden möchte, findet eine große Auswahl an Tracks in unterschiedlichsten Längen und Schwierigkeitsgraden. Die meisten Wanderwege werden vom DOC, dem Department of Conservation angelegt und betreut. Der Staat scheint hier sehr viel Geld zu investieren, die Wege sind oft mit viel Mühe angelegt, fabelhaft ausgeschildert und markiert. Nur mit den Angaben zu Entfernungen, die immer in Stunden auf den Schildern stehen, sollte man sich vorher ein wenig auseinandersetzen. Es besteht nämlich ein kleiner aber feiner Unterschied darin, ob man sich auf einem Rundwanderweg befindet und die Zeitangabe somit angibt wann man wieder am gleichen Fleck ist oder ob man nach der angegebenen Zeit auf den nächsten Wanderweg stößt. Unser geplanter dreistündiger Spaziergang entwickelte sich durch ein solches Missverständnis zu einer amtlichen Wanderung von siebeneinhalb Stunden inklusive spannender Kletterabschnitte. Glücklicherweise waren wir mit Freunden unterwegs, so dass der Kleine bei zu steilen Abschnitten „heruntergereicht“ werden konnte.

Der Knirps auf Entdeckertour im Wald...

Der Knirps auf Entdeckertour im Wald…

Der Knirps auf Entdeckertour im Wald...

…und zusammen mit Papa in der Höhle

Einmal anstellen bitte…

Die touristischen Highlights Neuseelands sind gerade jetzt in der Ferienzeit der Neuseeländer besonders gut besucht, teilweise regelrecht überlaufen. Trotzdem gehören viele Orte einfach zum Pflichtprogramm wenn man schon mal hier ist. Unseren ersten Versuch, die Cathedral Cove auf der Coromandel Halbinsel zu besichtigen haben wir allerdings schnell wieder abgebrochen. Als wir mittags den Parkplatz ansteuern wollten, von dem aus der 45minütige Fußmarsch zu der bekannten Bucht startet, wurden wir schon drei Kilometer vorher auf einen riesigen Schotterplatz umgeleitet. Von hier aus verfrachteten Shuttlebusse dann Massen an Menschen zum Startpunkt des Weges. Der Parkplatz dort war schon seit Stunden voll. Wir haben uns den Besuch an diesem Tag geschenkt. Manche Orte verlieren durch zu viele Besucher zur gleichen Zeit einfach ihre Schönheit. Dies trifft auf jeden Fall auch auf Strandabschnitte zu. Statt dessen starteten wir am nächsten Tag Versuch Nummer zwei und sicherten uns um halb neun morgens den letzten freien Parkplatz. Einsam und allein waren wir dann zwar trotzdem nicht am Strand aber immerhin vor den Bussen und vor den Wasser und Sonnenmilch verkaufenden Lifeguards!

Auch morgens um neun herrscht schon Hochbetrieb an der "romantischen" Cathedral Cove

Auch morgens um neun herrscht schon Hochbetrieb an der „romantischen“ Cathedral Cove

Ebenfalls voll ist es bei Ebbe an der Hot Water Beach. Hier sorgt eine heiße unterirdische Quelle dafür, dass man zu jeder Jahreszeit in die selbstgeschaufelte heiße Badewanne am Strand steigen kann. Allerdings sollte man darauf achten, nicht zu nah an der Quelle zu sitzen – dort herrschen Wassertemperaturen von bis zu 85° Celsius… Auch wenn es schon allein Spaß macht, das Treiben am Strand zu verfolgen, sollte man es sich nicht entgehen lassen, selber mit hineinzusteigen.

Mit dem Spaten geht es bei Ebbe zur Hot Water Beach

Mit dem Spaten geht es bei Ebbe zur Hot Water Beach

Auf dem Reifen durch die Höhle

Während die gerade beschriebenen Aktionen nichts kosten, wird man für viele andere Attraktionen auch gerne zur Kasse gebeten. Da die Preise meistens sehr gesalzen sind (z.B. 25$ pro Person für einen Museumsbesuch…), überlegen wir uns immer sehr genau, ob wir damit unser Budget belasten wollen oder nicht.

Die teuerste aber auch gleichzeitig beste Investition dieser Art bisher war eine Tour auf unterirdischen Wasserläufen durch die Waitomo Gloworm Caves. Auf einem Gummireifen liegend lässt man sich durch ein Höhlensystem treiben. Über einem leuchten unzählige kleine bläuliche Punkte. Dieser beeindruckende Glühwurm-Sternenhimmel zieht teilweise in mehreren Metern Höhe über einem dahin. In niedrigen Passagen sind die kleinen Tiere dann aber auch zum Greifen nah. Ein absolut beeindruckendes Schauspiel, welches noch durch zwei Sprünge von unterirdischen Wasserfällen aufgelockert wurde…

Im Gummireifen durch die Waitomo Gloworm Caves

Im Gummireifen durch die Waitomo Gloworm Caves

Schraube locker?

Unter unserem Auto klappert es seit einiger Zeit. Vorne rechts unten irgendwo, immer wenn der Wagen langsam fährt und die Federung in Aktion ist. Da wir beide vom Status Automechaniker weit entfernt sind, waren wir schon drauf und dran eine Werkstatt aufzusuchen. Doch dann stand da ein Anhalter am Straßenrand. Ein junger Franzose, der auf dem Weg zum nächsten Job war. Und was war er in Frankreich von Beruf? Automechaniker! Am Zielort legte er sich dann auch prompt unter unser Auto und fand schnell die Lösung. Allerdings war sein Englisch so schlecht, dass er nicht genau erklären konnte was es ist. Wir wissen nun, dass ein Dämpfungsblock in einem Teil der Achse wohl nicht mehr so aussieht wie er aussehen soll. Angeblich kann man das so lassen, außer dem Geräusch hätte das sonst keine Auswirkungen… Wir fahren also erst mal so weiter und hoffen, dass der gute Junge recht hat… Hat von euch jemand eine Idee was das sein kann??!?

Noch ein paar Eindrücke der letzten Wochen:

Der Knirps plant schon mal den nächsten Ausflug...

Der Knirps plant schon mal den nächsten Ausflug…

Abendstimmung an der boat ramp in Kellys Bay

Abendstimmung an der boat ramp in Kellys Bay

Frühstück im Wald - Campingplatz ohne alles, das Wasser kommt aus dem Fluss nebenan

Frühstück im Wald – Campingplatz ohne alles, das Wasser kommt aus dem Fluss nebenan

Windgepeitschte Strände in Ahipara

Windgepeitschte Strände in Ahipara

Weihnachten bei über 20 Grad Celsius...

Weihnachten bei über 20 Grad Celsius…

forever

forever

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