Weltreise mit Baby

Campervan kaufen in Neuseeland

Wir kaufen einen Campervan in Neuseeland

geschrieben am: 04.Dezember 2016

Der Campground des Shakespeare Regional Parks ist so groß wie drei Fußballfelder. Vereinzelte Baumgruppen oder Buschwerk sorgen dafür, dass sich genügend Nischen bilden, in denen man sich mit seinem Camper nicht wie auf dem Präsentierteller vorkommt. Im satten Grün der „New Zealand Christmas Trees“ – ein Baum, der immer zu Weihnachten rot blüht – tummeln sich unzählige Vögel. Ein Laut sticht dabei klar heraus. Der Tui, ein unheimlich schneller, schwarzer Vogel mit blau schimmernden Flügeln und weißen Bömmeln am Hals hört sich an wie ein enger Verwandter von R2D2 aus Star Wars. Es ist eine der Vogelarten, die es nur in Neuseeland gibt. Während an dem einem Ende der Wiese hinter einer kleinen, mit Gräsern bewachsenen Sanddüne der Pazifik über den Sandstrand rollt, weiden auf der anderen Seite in aller Ruhe einige Kühe auf den mit dichtem Gras bewachsenen Hügeln. Mitten drin in all dieser Idylle steht ein 13 Jahre alter, total verbeulter, knallroter Mazda Bulli. Unser Bulli. Das charmante Schmuckstück dürfen wir seit letzter Woche unser Eigen nennen und wird für die nächste Zeit auch unser zu Hause sein.

Viel Platz im Shakespeare Regional Park - auch für den Knirps

Viel Platz im Shakespeare Regional Park – auch für den Knirps

Campervan in Neuseeland – kaufen oder mieten?

Die Entscheidung, einen Camper zu kaufen anstatt ihn zu mieten war schnell gefallen. In der Hauptsaison – also von November bis April – kosten in Neuseeland Mietcamper selten unter 100 NZD (ungefähr 70€) am Tag, oft sogar weit darüber. Da wir vorhaben, mehrere Monate auf dem Inselstaat (oder sagt man in dem Inselstaat??!?) unterwegs zu sein, hätten diese Kosten unser Budget mehr als gesprengt.

Wer einen Wagen kauft anstatt ihn zu mieten muss natürlich anfangs erst einmal mehr Geld in die Hand nehmen. Dafür erhält man dann hinterher beim Verkauf einen Teil wieder zurück. Wie groß dieser Teil ist, hängt natürlich immer davon ab, wie unbeschadet das Gefährt die Reisezeit überstanden hat und wie groß die Nachfrage gerade ist. Zum Ende der Saison suchen verständlicherweise weniger Leute einen Camper als am Anfang. Ich bin mir trotzdem sicher, dass wir mit unserem Kauf die richtige Entscheidung getroffen haben.

Der Gebrauchtwagenmarkt für Camper in Neuseeland bietet jede Menge günstige Fahrzeuge. Angefangen vom Kombi mit Matratze bis hin zum komplett ausgebauten LKW. Den Großteil des Angebotes machen allerdings die Vans und Kleinbusse aus, die standardmäßig mit Bett und Küchenregal ausgestattet sind. Wer in dem Preissegment unter 10.000 NZD (ungefähr 7.000€) bleiben möchte – das war auch unser Ziel – muss beim Kauf schon genau hinschauen. Die angebotenen Autos sind meist nicht mehr die neusten und haben schon lange Reisen hinter sich. Kilometerstände von über 350.000 sind da keine Seltenheit. Selbstverständlich beteuern alle Verkäufer, sowohl private als auch Händler, dass es mit dem Autos niemals irgendwelche Probleme gab, alle Ersatzteile brandneu sind und der Motor wie eine Eins läuft. Na klar.

Wo kaufe ich einen Campervan in Neuseeland?

Wer in Neuseeland auf der Suche nach einem Campervan ist, hat mehrere Möglichkeiten. Schon vor der Anreise kann man sich im Internet nach Fahrzeugen umschauen. Hier macht es Sinn, einen Blick auf trademe.co.nz zu werfen – eine Plattform im ebay Format. Weitere Anlaufpunkte sind das Backpackerboard oder diverse Facebook Gruppen (hier einfach mal nach „Campervan New Zealand“ suchen). Wenn man bereits vor Ort ist, kann man sich in den großen Städten wie Auckland oder Christchurch auf den wöchentlichen CarFairs einen Überblick verschaffen. Wir waren nur auf der Auckland City Car Fair, die sich allerdings nicht wirklich gelohnt hat. Die Car Fair in Ellerby soll um einiges größer sein.

Weiterhin macht es Sinn, die Hostels der Stadt abzuklappern und dort auf die schwarzen Bretter zu schauen. In unserem Fall haben wir dort einen Aushang von drei Mädels gefunden, die mit mehreren Händlern im Umkreis von Auckland zusammen arbeiten. Sie bieten Camper sowohl zum Kauf als auch zur Miete an. Gleichzeitig haben sie noch ein paar Jungs an der Hand, die sich um den Innenausbau kümmern können. Von dem großen Wort „Innenausbau“ darf man sich hier allerdings nicht täuschen lassen – über ein paar oft krumm zusammengeschraubte Spanplatten und Vierkanthölzer geht es meistens nicht hinaus. Aber es erfüllt seinen Zweck…

Spezielle Anforderung an den Campervan für das Reisen mit Baby

Eine der besagten drei Mädels ist Janine und mit der haben wir uns am nächsten Tag in einem Vorort von Auckland getroffen. Schnell stellte sich heraus, dass der Großteil der angebotenen Autos für uns nicht geeignet ist. Es fehlte ganz einfach der dritte Sitzplatz. Der Standardausbau der Vans geht von zwei Reisenden aus. Die Rücksitzbänke werden entfernt und stattdessen dann ein Bett und  ein vom Kofferraum zugängliches Küchenregal eingebaut. Es gibt natürlich Modelle, die neben dem Fahrersitz noch eine Bank haben, auf der dann zwei Personen Platz finden. Allerdings benötigt ein Kindersitz meist so viel Platz wie anderthalb Erwachsene. Außerdem wollten wir den Knirps bei einem Auto ohne Beifahrerairbag und ohne große Knautschzone nicht direkt vor der Windschutzscheibe sitzen lassen.

Weiterhin wollten wir keinen Van sondern zumindest einen Kleinbus haben. So ungefähr in der Größe wie ein VW Bulli – nur dass es hier in Neuseeland so gut wie keine Volkswagen gibt, sondern Toyota und Mazda die Platzhirsche sind. So ein Bus hat den Vorteil, dass man bei Regenwetter den Knirps auch mal drinnen beschäftigt bekommt. Zumindest bedeutend besser als in einem deutlich niedrigeren Van.

Fündig wurden wir schließlich auf dem Platz von D+M Cars. Steve, ein sympathischer Kerl und Mischung aus Schrauber und Verkäufer zeigte uns einen fast fabrikneuen, nur 13 Jahre alten Mazda E2500 Diesel mit langem Radstand und so gut wie jungfräulichen 255.000 Kilometern. Hier ließe sich eine Sitzreihe wieder einbauen. Trotzdem wäre dahinter noch ausreichend Platz für ein Bett, welches tagsüber zusammengeschoben und zu einer Bank umfunktioniert wird. Auch ein Küchenregal passe hinten noch rein. Überhaupt kein Problem.

Nach einer Probefahrt, detaillierter Inspektion und ausgiebiger Diskussion, wie genau denn alles hinterher im Innenraum aussehen sollte, waren wir uns schließlich einig. Inklusive Umbauten und Camping-Starterpaket (Matratze, Decke, Kissen, Töpfe, Besteck, usw…) sollte der Wagen für 7.000 NZD (also ungefähr 4.800€) den Besitzer wechseln. Drei Tage später könnten wir den Wagen abholen hieß es.

Der größte Schein am Automaten sind 50 Dollar - da braucht man beim Autokauf fast eine Tasche...

Der größte Schein am Automaten sind 50 Dollar – da braucht man beim Autokauf fast eine Tasche…

Registrierung, TÜV, und Co.

Drei Tage später war der Wagen leider nicht fertig. Die Sache mit der Sitzbank für den Knirps war wohl doch nicht so einfach wie man es sich vorgestellt hatte und der Wagen hatte keine „wof“ bekommen. Wof – warrenty of fitness – ist so etwas wie die deutsche TÜV Plakette und dafür war in unserem Fall der Händler zuständig. Neben der wof muss man sich noch um drei andere Dinge kümmern, wenn man in Neuseeland ein Auto auf sich zulassen möchte.

Erstens: Die Registrierung. In Neuseeland behält das Auto beim Verkauf sein Nummernschild und man registriert es nur auf seinen Namen. Dafür füllen sowohl Käufer als auch Verkäufer ein Formular aus. Mit den beiden Schriftstücken geht man dann zur nächsten Postfiliale und erhält einen neuen Registrierungssticker, der in die Windschutzscheibe kommt. Auto umgemeldet, knapp 55 NZD gezahlt – fertig.

Zweitens: RUC – Road User Charges. Das trifft nur zu, wenn man einen Diesel fährt. Hier kauft man, ebenfalls bei der Post, Kilometerpakete. Bei uns waren das 130 NZD für 2000 Kilometer. Man erhält einen zweiten Sticker, der ebenfalls in die Windschutzscheibe kommt. Durch die RUC fährt man mit Dieselfahrzeugen ungefähr genauso günstig oder teuer wie mit Benzinern, auch wenn der Diesel an der Tankstelle ca. 0,70 NZD weniger kostet.

Drittens: Eine Versicherung. Fremder Personenschaden ist automatisch mit dem Auto versichert, fremder Sachschaden allerdings nicht. Dafür gibt es die sogenannte „Third Party“ Versicherung, die unserer Haftplicht entspricht. Eine Kasko Versicherung, die Schäden am eigenen Auto versichert bekommt man als Tourist gar nicht.

Wir haben unsere Versicherung beim AA – dem neuseeländischen ADAC abgeschlossen. Dort erhält man als Mitglied einen vergünstigten Tarif. Eine Mitgliedschaft wollten wir eh haben, um bei einer Panne mit dem Knirps im Auto schnell Hilfe zu bekommen. Die Touristen-Mitgliedschaft für 6 Monate ist übrigens umsonst, wenn man ADAC Mitglied ist und seine Karte vorlegen kann. Wir hatten diese natürlich schlauerweise in Deutschland gelassen und durften 99 NZD Beitrag zahlen. Selbst ein Schreiben vom ADAC half da nicht…

Man sollte übrigens beim Versicherungsabschluss angeben, dass man mit einem Campervan in Neuseeland unterwegs ist. Ansonsten kann es im Schadensfall dazu kommen, dass die Versicherung nur teilweise oder gar nicht zahlt.

Die komplette Ummeldung des Autos findet bei nächsten Postfiliale statt - total easy

Die komplette Ummeldung des Autos findet bei nächsten Postfiliale statt – total easy

Einen Tag später war unser Auto dann endgültig abfahrtbereit. Stolz wie Bolle fuhren wir vom Hof. Schnell noch im Baumarkt einen Campingkocher samt Gasflasche besorgt, aus dem Campingladen eine gute Kühlbox und dann bei Jaycar noch einen Inverter, der uns den Strom aus dem Zigarettenanzünder in laptopfreundliche 230V umwandelt. Damit waren wir endgültig startklar und rollten aus Auckland raus Richtung Norden. Das Abenteuer Neuseeland kann kommen, drückt die Daumen dass der Motor hält!

Autoübergabe - jetzt geht es endlich los!

Autoübergabe – jetzt geht es endlich los!

Noch ein paar Eindrücke der letzten Wochen:

Viel zu entdecken...

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Auckland morgens um halb sechs

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Neue Spielgefährten

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Ein Kommentar

  1. Susann sagt:

    Abenteuer ohne Ende. Druecke die Daumen fuer sorgenfreie und unendlich viele Kilometer…

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