Weltreise mit Baby

Vier Wochen mit Baby und öffentlichen Verkehrsmitteln durch Taiwan

geschrieben am: 09.Juni 2017

Wir sitzen in einem vegetarischen Restaurant in Hualien, eine kleine Stadt mit rund 100.000 Einwohnern an der Ostküste von Taiwan. Der Knrips schaut sich aus seinem Kinderstuhl interessiert die grob verputzen und in dunkler Lehmfarbe gestrichenen Wände an. Viel ist von der Wandfarbe allerdings nicht zu erkennen. Fast jeder freie Zentimeter ist von Bildern, Setzkästen mit asiatischem Geschirr im Miniformat oder Regalen mit alten Büchern bedeckt. Farblich allerdings gut aufeinander abgestimmt. So fühlt man sich nicht direkt erschlagen, sondern geht gerne mit dem Auge auf Entdeckungsreise. Das Licht ist leicht gedämpft.

Vor uns steht ein junger Kellner mit großen Augen und wechselt nervös von einem Bein auf das andere. Seit ein paar Minuten versuchen wir dem bemühten jungen Mann zu erklären, dass wir für den Kleinen keine komplette Portion bestellen, sondern nur eine Schüssel mit Reis oder Nudeln haben möchten. Welches Gericht von der Karte wir denn nun meinen würden? Nein, kein Gericht von der Karte, einfach nur eine Schüssel Reis oder Nudeln. Unsicher blickt der Kellner umher. Zum Glück kommt uns eine junge Taiwanesin vom Nebentisch zur Hilfe. Sie spricht englisch und kann die Situation auflösen. Der Kellner meint, er müsse das schnell mit seiner Chefin besprechen. Zwei Minuten später kommt er lächelnd zurück. Eine Schüssel Nudeln ohne alles? Ja, für das Baby. Kein Problem, können wir bekommen. Kurz darauf werden jede Menge leckere Sachen aufgetischt – und eine Portion Nudeln für den Knirps. Wunderbar.

Vegetarisches Essen ist in Taiwan eher unüblich

Vegetarisches Essen ist in Taiwan eher unüblich

Englisch ist eine Fremdsprache

Verständigungsprobleme sind hier in Taiwan an der Tagesordnung. Ob im Restaurant, im Hotel oder am Bahnhof – Englisch ist für die meisten Taiwanesen buchstäblich eine Fremdsprache. Dennoch sorgt die fast unbegrenzte Hilfsbereitschaft der Menschen immer für einen guten Ausgang.

Ein paar Stunden vor dem Restaurantbesuch zum Beispiel standen wir, bepackt mit all unseren Sachen am Bahnhof und versuchten erfolglos, den Busfahrplan in die Stadt zu entziffern (zu dem Zeitpunkt wussten wir noch nicht, dass es eine App namens „Bustracker“ gibt, die enorm hilft). Ein Mann erkundigt sich nach unserem Ziel. Daraufhin spricht er mit dem Busfahrer eines gerade ankommenden Busses und erklärt uns dann, dass wir noch eine ganze Stunde warten müssten. Nach einem mitleidigen Blick auf den Knirps dreht er sich noch einmal zum Busfahrer um. Die beiden gestikulieren und diskutieren lautstark. Dann winkt er uns zu – wir sollen einsteigen. Während der Fahrt spricht der Fahrer über Funk mit seinen Kollegen und schwupps – steht am Umsteigepunkt direkt ein Bus parat, der uns weiter zu unserer Unterkunft bringt.

Ans Streckennetz von Bus und Bahn gebunden

Es hat einen großen Nachteil, wenn man in Taiwan nur mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist. Man erreicht zwar problemlos alle großen Städte und auch viele Touristenattraktionen, allerdings wird es sehr schwer, an die richtig tollen Stellen zu gelangen. Die liegen meist etwas abseits von allem und werden deshalb auch nicht von Bus und Bahn bedient.

Dieses Problem trifft sicherlich nicht nur auf Taiwan sondern auf fast alle Länder zu. In Kanada zum Beispiel ging es uns ähnlich. Aber hier in Taiwan hat es uns mehr gestört, da wir deshalb hauptsächlich in den Städten unterwegs waren und nur selten wirklich raus in die Natur kamen. Zudem sehen die Städte hier in unseren europäischen Augen alle ziemlich gleich aus. Ein Mietwagen hätte unser Budget gesprengt und einen Scooter wollten wir mit dem Knirps nicht mieten. Zwar ist es hier Gang und Gebe, das Baby im Tragesystem mit auf dem Roller zu haben (oder auch im halb zusammengeklappten Buggy sitzend im Fußraum…) aber dafür ist bei uns das deutsche Sicherheitsdenken zu sehr ausgeprägt.

Ganz normal - Kinder auf dem Roller. Hier sogar ausnahmsweise mit Helm!

Ganz normal – Kinder auf dem Roller. Hier sogar ausnahmsweise mit Helm!

Um den Taroko Nationalpark zu sehen – eines DER Highlights in Taiwan – haben wir uns daher für einen Tag ein Taxi gemietet. Mit knapp hundert Euro auch nicht günstig aber es hat sich definitiv gelohnt. Unser Fahrer „CJ“ war früher geschäftlich viel in der Welt unterwegs und sprach deshalb sehr gutes Englisch. Nun ist er im Ruhestand und fährt Touristen durch die Gegend. Um dem deutschen Sicherheitsdenken gerecht zu werden, hatte er für uns den wahrscheinlich einzigen Kindersitz aus ganz Taiwan mitgebracht.

Während unserer Tour durch den Nationalpark wurde uns klar, dass wir ohne ihn auch relativ aufgeschmissen gewesen wären. Denn zum einen hat das Visitor Center des Parks montags geschlossen. Macht Sinn. Zum anderen waren so ziemlich alle Wanderwege die ich vorher heraus gesucht hatte wegen „Construction Work“ geschlossen. Schon seit ein paar Jahren… Aber CJ hat dann doch noch dafür gesorgt, dass wir die schönen Ecken zu sehen bekamen und sogar zwischendurch einige Kilometer wandern konnten.

Unser Fahrer CJ hatte sogar einen Kindersitz für den Knirps

Unser Fahrer CJ hatte sogar einen Kindersitz für den Knirps

Heftige Regenfälle

Unsere Reiseplanung in Taiwan mussten wir zwischenzeitlich wetterbedingt etwas umstellen. Ende Mai gab es im Norden die schlimmsten Regenfälle seit über zwanzig Jahren. Überraschenderweise ungeachtet von der deutschen Tagesschau waren hier ganze Dörfer überflutet. Autos schwammen in den Fluten, es sind sogar einige Menschen ums Leben gekommen.

Wir waren glücklicherweise zu dem Zeitpunkt weiter südlich unterwegs. Lediglich unser Aktionsradius war durch tagelang andauernden Regen etwas eingeschränkt. Dies führte zu ausgiebigen Besuchen in den Malls von Taichung, was unserem Budget nicht wirklich zu Gute kam… :-)

Umso wichtiger war es für uns, eine Unterkunft zu haben, die dem Knirps etwas Bewegungsfreiheit bot. Seit ein paar Wochen macht der Junior die ersten Schritte und das will natürlich auch trainiert werden!

Wir haben in Taiwan in den unterschiedlichsten Unterkünften gewohnt. Vom absolut ranzigem Zimmer mit Frühstücksvoucher für den 7-Eleven Markt, über das stylische Bed and Breakfast mit jeder Menge Spielzeug und Rutsche im Zimmer, bis hin zum gemütlichen Hostel war alles dabei. Für den Knirps war das Rutschenzimmer natürlich ein Highlight. Generell ist er aber immer glücklich, wenn es Lichtschalter und ein Telefon gibt, mit dem er spielen kann. Außerdem ist die Duplo Eisenbahn ja auch immer mit dabei.

Rutsche im Zimmer - da hat nicht nur der Knirps Spaß!

Rutsche im Zimmer – da hat nicht nur der Knirps Spaß!

Auf geht’s zur letzten Station…

Die letzten Tage auf dem Eiland werden wir noch rund um Taipeh verbringen bevor es dann nächste Woche zu unserem nächsten Ziel geht. Leider wird das auch wohl unsere letzte Station werden, bevor wir nach einem Jahr in der Weltgeschichte die Heimreise nach Deutschland antreten. Aber das hat noch ein wenig Zeit, denn erst mal ist jetzt JAPAN angesagt! In einem Land ohne Campingplätze werden wir vier Wochen lang mit einem Campervan unterwegs sein. Wir sind gespannt…

Noch ein paar Eindrücke der letzten Wochen:

Hühnchen gefällig?

Hühnchen gefällig?


Viel Natur im Taroko Nationalpark

Viel Natur im Taroko Nationalpark

Ich will Dir fressen!

Ich will Dir fressen!

Hmmm, wohin gehe ich jetzt?

Hmmm, wohin gehe ich jetzt?

Frische Ananas für zwischendurch

Frische Ananas für zwischendurch

Erste Schritte am Strand von Doulan

Erste Schritte am Strand von Doulan

Ordentlich was los auf dem Nachtmarkt von Tainan

Ordentlich was los auf dem Nachtmarkt von Tainan

Das gute alte Luftballonwerfen ist ziemlich beliebt hier

Das gute alte Luftballonwerfen ist ziemlich beliebt hier

Kampfsporttraining im Park von Tainan

Kampfsporttraining im Park von Tainan

Finde den Obstverkäufer!

Finde den Obstverkäufer!

In allen Städten findet man viele heruntergekommene Häuser

In allen Städten findet man viele heruntergekommene Häuser


Nachtisch mit Bohnen in Glibbermasse unter Karamell und Eis. Dazu eine Art warme Weingummis

Nachtisch mit Bohnen in Glibbermasse unter Karamell und Eis. Dazu eine Art warme Weingummis

Viel Regen in Taichung

Viel Regen in Taichung

Reisfeld

Reisfeld

Abendstimmung an den Gaomei Wetlands

Abendstimmung an den Gaomei Wetlands

Klare Einteilung

Klare Einteilung

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4 Kommentare

  1. Susi sagt:

    Oh je, ist der Monat schon rum… ich wünsche viel Spaß in Japan…endlich wieder komplett mobil. Aber sicherlich wird es auch da die eine oder andere sprachhürde geben. Genießt es!

    1. Christian sagt:

      Ja, das glaube ich auch. Aber der Knirps wird schon für die richtigen Übersetzungen sorgen :-)

  2. es ist wunderschön an euren Abenteuern teilzunehmen aus der Ferne. Genau richtig, dass ihr es jetzt in eurem „zarten“ Alter unternehmt. In meinem Alter hat man dazu keinen Mut mehr ;-))
    alles Gute für Japan, herzlichst eure Randi

    1. Christian sagt:

      Danke für die Grüße! Mit „zartem Alter“ meintest Du sicherlich den Knirps, oder :-))

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